Unsere Geschichten

Die kleine Hexe Curadina

By 29 Januar 2019 Februar 19th, 2019 No Comments

Auch Hexe Curadina

braucht einen Kater

Wie abergläubisch sind Sie? Bevor Sie antworten: Es kann auf der Seiser Alm ziemlich einsam sein. Zwischen dem Almgras und dem blauen Nichts, zwischen dem Hotel und dem Bosch Curasoa, wo dunkel die Bäume stehen. Plötzlich sah Hannes Rabanser sie vor sich: Curadina, die kleine Hexe. Der schwarze Kater? Der gehört dazu, wenn Sie daran glauben.

Keiner weiß, wie der Kater zum Hotel Tirler kam. Irgendwann war er da. Fast wie Curadina. „Seltsamerweise ist er sehr zutraulich“, sagt Hannes Rabanser. Gehört er zu den guten Geistern? Oder zum wilden Volk? Schon immer wimmelte es auf der Seiser Alm von wundersamen Wesen. So erzählt man sich. Als die Zeit noch magisch war, saßen Oberhexen auf den Steinbänken in Puflatsch, machten missgünstige Frauen die Milch sauer, ächzte das Moor und tanzten teuflische Gesellschaften auf dem Schlerngipfel. Gewitter waren in Hexenhand, und Glockenläuten vertrieb die Unwetter. Viele gingen an dieser Weltsicht elend zugrunde. 1506 und 1510 wüteten in Völs am Schlern zwei große Hexenprozesse. Was wäre damals wohl mit Curadina passiert?

Curadina hatte die Übel-, Frevel- und Rachetaten der alten Hexen satt. Sagt Hannes Rabanser. Sie war fleißig, fürsorglich, offen für das Gute. Sie war eben jung. Eine kleine Hexe. Eines Tages büchste sie aus. Da war doch dieses kleine, niedliche Waldstück, dachte sie und meinte den Bosch Curasoa, den Wald, der hinter dem Hotel Tirler aufsteigt. Tage und Wochen vergingen. Curadina genoss das freie Leben. Bis sie eines Tages das Gefühl hatte, beobachtet zu werden. Schon hörte sie ein Huschen…

Nein, es war nicht der Kater. Sondern Emma. Eine Eule, die Curadina seitdem begleitet. Ein Tipp: Machen Sie sich auf zu den Schwefelquellen. Dort streifen die beiden herum. Wir nennen sie die Hexenquellen. Der Weg führt vom Hotel Tirler auf verschlungenen Pfaden durch den Wald genau dorthin.

Der magische Weg: Barfuß zu den Hexenquellen.

Die Idee zu einem neuen Naturerlebnisweg kam Hannes Rabanser, als er wieder einmal an die Schwefelquellen dachte, ein Naturdenkmal, das vollkommen vergessen schien. Mit dem Almkomitee fing er zu planen an. Als die Firma, die er mit der Weggestaltung beauftragen wollte, mit Bagger und Lastwagen anrückte, sagte er nur: „Ihr habt nichts verstanden.“ Schon damals, als die Schwefelquellen entstanden, hatten die Menschen alles falsch gemacht. Die Hexen waren den Menschen zugetan gewesen, unter einer Bedingung: Sie wollten ungestört bleiben. Als Neugierige dennoch in ihr Reich einbrachen, verzauberten die Hexen die klare Quelle in eine stinkende Schwefelbrühe.

Hans Mitterrutzner, ein ehemaliger Tischler und Bastler aus Albeins im Eisacktal, der seit 45 Jahren eine Hütte auf der Seiser Alm in Pacht hat, ist anders. Sein Traum sei es, einmal einen Weg zu gestalten, ließ er Hannes Rabanser wissen. Hannes ließ den Weg auspendeln, an den vielen positiven Energiepunkten, die zutage traten, setzte Hans an.  Er schnitt Dickicht aus, steckte Stöckchen, nahm das liegende Reisig als Begrenzung, verzichtete auf Zäune und spannte Brücken, damit Moose und Flechten unbetreten bleiben. Gehen Sie am besten barfuß am Hexenquellenweg. Ja, den ganzen Weg. Und suchen Sie bitte keine Schilder. „Die Menschen sollen den Weg selber suchen“, sagt Hans Mitterrutzner. Bis heute ist niemand verloren gegangen. Als Orientierung dient eine Triade. Das keltische Zeichen für die Zahl drei.

Die Zahl drei: Und wo bleibt der Kater?

Auf die Zahl drei schwört Hannes Rabanser. Es ist die erste reine Zahl, sagt er. Er habe beobachtet, dass alles, was im Leben funktioniert, ein Dreiklang sei.

Curadina, die Hexenquellen und ein Weg zum Naturerlebnis. Stellt sich die Frage: Wo bleibt der Kater? Den Kater gibt’s wirklich. Er ist riesig. Ein Prachtstück. Oder Hexenwerk. Im Hotel Tirler wird er Fridolin genannt.

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